VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Annika  |  Chantal  |  Charlotte  |  Feli  |  Franzi  |  Fritz  |  Hanna  |  Laura H  |  Laura M  |  Lena  |

Lina  |  Maida  |  Mareike  |  Matthis  |  Merlit  |  Miri  |  Paul  |  Pauly  |  Rebekka  |  Renke  |  Tabea  |

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

2 Monate Bukoba

Autor: Paul | Datum: 30 Oktober 2017, 14:10 | 5 Kommentare

Hallo, Hi, Karibu.

Ich denke es ist mal an der Zeit einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Ich muss sagen, auch wenn ich bisher erst zwei Blogeinträge geschrieben habe, bin ich hier in Tansania fleißig am Schreiben. Ich schreibe viele Emails, an alle Interessierten, die Fragen zu meinem Auslandsjahr haben (bitte lieber Leser, scheue auch du dich nicht mir eine E-Mail zu schreiben, ich freue mich über jeden persönlichen Kontakt). Außerdem versuche ich mich an einem Projekt, namens Tagebuch.  Auch, wenn ich nicht jeden Tag oder jede Woche etwas hinein schreibe, hilft es manchmal seine Gedanken einfach aufzuschreiben, um sie besser verarbeiten zu können. Einige dieser Gedanken möchte ich auch mit dir hier teilen.

Schwedische WG

Seit zwei Wochen bilde ich gemeinsam mit zwei schwedischen Rentnern  eine WG. Beide sind hier bis Mitte November und unterstützen wohltätige Projekte in Bukoba. Wie ich bereits in einem vorherigen Eintrag erzählt habe, ist mein Haus recht groß. Es hat drei Schlafzimmer, ein großes Bad und einen riesen Aufenthaltsraum, mit Küche und Schreibtisch. Deshalb ist es auch kein Problem, zu dritt in diesem Haus zu wohnen. Aber als wären das nicht schon genug Wazungu (Weiße) auf einmal, ist letzte Woche ein Däne in das obere Haus unseres Compounds eingezogen. Umringt von Skandinaviern, fühle ich mich nun ein bisschen Fremd in Tansania. So viele Weiße auf einmal, bin ich eben nicht mehr gewohnt.

Küche

Das Tumaini Children Centre, dem der Compound gehört, hat seit längerem eine Frau angestellt, Mama Helena. Sie kümmert sich um die beiden Häuser und hält sie instand. Mama Helena kocht nun, seit die beiden Schweden angekommen sind, täglich tansanische Küche. Das bedeutet Wali (Reis), Viazi (Kartoffeln) und Pilau (Rindfleisch). Auch ich genieße das Privileg, an diesem kulinarischen Hochgenuss teilhaben zu können. Leider ist die tansanische Küche aber nicht so vielseitig, als dass Mama Helena sehr abwechslungsreich kochen könnte. Auch wenn es sehr lecker ist, habe ich mir vorgenommen, demnächst wieder, wie gewohnt, selbst und etwas abwechslungsreicher zu kochen. Andernfalls habe ich Angst, meine hochsportliche Figur ;) und die Lust am Kochen zu verlieren. Vielleicht wissen es viele von euch noch nicht, aber ich koche, seit ich hier bin, 1-2 Mal täglich für mich selbst und muss sagen, ich bin positiv überrascht.  Meine Fertigsuppen aus Deutschland sind bereits leer, sodass ich Suppe aus natürlichen Lebensmitteln koche!? Und das schmeckt erstaunlich lecker. Aber ich probiere mich nicht nur an Suppen aus. Neben Kartoffelauflauf, Schnitzel und Pizza, hatte ich bereits Schokopudding, Milch-Zimt-Brot und Pfannekuchen auf dem Teller. Bei Gelegenheit, werde ich hier ein paar Bilder meines kulinarischen Hochgenusses hochladen.

Sokoni (Markt)

In den zwei Monaten, die ich nun schon hier bin, gehe ich fast täglich auf den Markt, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Der Soko kuu (Hauptmarkt Bukobas) bietet ein riesen Lebensmittelangebot, aus regionalem Anbau. Neben Tomaten, Gurken, Karotten, Paprika, vielen Gewürzen, Reis, Bohnen, Erdnüssen, Kürbissen, Knoblauch, Zwiebeln und vielen anderen herkömmlichen Lebensmitteln, sind auch frische Ananas, Avocado, Orangen, Kokosnüsse, Bananen und Wassermelonen erhältlich. Das frische Obst ist so saftig und kräftig im Geschmack, dass das importierte Obst von EDEKA und Co nicht vergleichbar ist. Ein Mangel allerdings: Neben Mais- und Weizenmehl, ist leider kein anderes Vollkornmehl, beispielsweise für dunkles Brot, aufzutreiben. Auch Luxusprodukte wie Rote Wurst, Früchtetee oder Gummibärchen sind hier schwer zu bekommen. Umso größer war meine Freude, als ich einen Ort gefunden habe, an dem ich günstige Milch, Jogurt und  leckeren Gouda Käse (schmeckt jedes Mal ein bisschen anders) gefunden habe.

Ausflug

Vierundzwanzig Tumaini Kids, Sister Adventina (Chefin des Projekts), Andrew (Chorleiter), Gunner (mein schwedischer Mitbewohner und Bruder der Gründerin des Tumaini) und ich (ich) sind gemeinsam mit einem gutgelaunten Busfahrer auf dem Weg in den Norden Bukobas. Wir fahren in die Region Misenyi, auch Kagera Suger genannt. Kagera Suger ist ein riesiges, staatliches Unternehmen, das Zucker im Nord-Osten Tansanias, an der Grenze Ugandas anbaut. Der Chor des Tumaini Children Centre wurde zu der Eröffnungsfeier einer Kagera Suger Church, die direkt neben der nagelneuen Kagera Suger Mosque steht, eingeladen. Nach einer zwei stündigen Busfahrt durch endlose Zuckerfelder, kommen wir an einem gepflegten Ort an.  Alles ist sehr sauber, die Vorgärten der öffentlichen Gebäude ordentlich gepflegt und an fast jedem Gebäude findet sich der Name Kagera Suger. Bei der Kirche angekommen, stellen wir uns bei einer Menschenschlange, ein paar Hundert Meter entfernt auf. Nach kurzem Warten geht es dann auch schon los. Wir und ungefähr 300 weitere Menschen laufen singend auf die Kirche zu, während der Bischof Keshomshahara, mehrere Pastoren der North Western Diocese (Das Dekanat um Bukoba), und die fünf verschiedenen Chöre, die extra für diesen Anlass gebucht wurden, aus der entgegengesetzten Richtung auf uns zu kommen. Als unsere beiden Gruppen auf einander treffen, stehen wir direkt vor der neuen Kirche. Der Bischof und seine Pastoren gehen zum Eingang der Kirche, der mit bunten Luftballons, Schleifen und hässlichen Mirkos, wie man sie aus den 80ern aus dem Fernsehen kennt, geschmückt ist. Unser Chor hat die Ehre das erste Lied zu singen. Wir haben im Vorlauf acht Lieder eingeplant. Alle Lieder konnten die Kids natürlich schon vorher in und auswendig. Alle Lieder, die der Tumaini Chor singt, wurden von den Tumaini Mitarbeitern geschrieben. Sie handeln von dem Leben auf der Straße, dem frühen Verlust der Familie, dem Halt den das Tumaini Children Centre den Kids gibt und natürlich, dem Glauben an Gott. Die Kinder werden sehr gottesehrfürchtig aufgezogen. Sie sind sehr gefestigt in ihrem Glauben und er gibt ihnen unglaublich viel Kraft, Mut und Hoffnung. Als Sister Adventina mich so erstaunt von dem starken Glauben der Kinder sah, sagte sie mir „Alle Kinder, die du hier siehst, hatten nichts. Es sind Kinder deren Vater tot ist, deren Mutter tot ist, die von der Familie ausgestoßen wurden, die kurz vor dem Hungertod waren. Auf der Straße haben sie ums Überleben gekämpft. Wir konnten ihnen helfen. Wir konnten ihnen neue Hoffnung geben, wo sie keine mehr sahen.  Das hätten wir niemals ohne Gottes Hilfe geschafft. Und die Kinder wissen das.“  - So zurück zum Gottesdienst. Der Gottesdienst dauert insgesamt sechs Stunden. Nach dem Gottesdienst geht es weiter mit einem kurzen Konzert unseres Chors, in der wir die Möglichkeit nutzen und ein paar weitere Spenden einbringen. Beim anschließenden Essen, nein Festmahl, lerne ich drei schwedische Gäste kennen. Sie sind ungefähr in meinem Alter und sind für drei Monate in Tansania. Durch ein christliches schwedisch-tansanisches Partnerprojekt haben sie die Möglichkeit die tansanische Kultur und die Arbeit der tansanischen Kirche kennen zu lernen. Wir unterhalten uns ein wenig, tauschen uns über schöne schwedische Urlaubsorte aus und ich finde heraus, dass auch sie bald nach Bukoba kommen.

Bukoba

Ich muss ehrlich sagen – ich vermisse mein Zuhause. Immer wenn ich daran denke, wie sich eine Situation zuhause verhalten würde, wie der Preis zuhause wäre, was ich jetzt mit meinen Freunden zuhause machen würde, lerne ich zu schätzen, was es bedeutet Familie zu haben, geliebt zu werden und lieben zu können. Verstehe mich nicht falsch lieber Leser. Ich bin froh hier zu sein. Immer wenn ich an so etwas denke, denke ich gleichzeitig daran, welche Chance ich hiermit habe. Ich blicke nach vorn und sehe mein Studium. Ich blicke zurück und sehe mein Abitur und mache mir Gedanken, was jetzt momentan ist. Und ich weiß es. Ich bin mitten drin im Leben. Das merke ich, wenn ich hier über den bunten Markt gehe. Das merke ich, wenn ich die gut gelaunten Menschen auf der Straße sehe. Das merke ich, wenn ich gemeinsam mit Elia und anderen Freunden laut lachen kann und das merke ich wenn ich mit den Kindern arbeite, die so bedingungslos glücklich und dankbar sind. Ich liebe Bukoba und ich habe das Gefühl es wird mein zweites Zuhause werden.

Kleine Anekdote

Wie eben schon erwähnt, kaufe ich frische Milch. Die umliegenden Bauern Bukobas bringen die Milch zu einer Sammelstelle, nicht weit von meinem Haus entfernt. Dort wird sie verarbeitet und für 1600TSH pro Liter (=60ct) verkauft. Das ist wesentlich günstiger als die, für 4000TSH (1,50,-) im Supermarkt erhältliche kenianische oder südafrikanische Milch. Falls man sich, so wie ich, dafür entscheidet, die günstigere und regionale Milch zu kaufen, dann bekommt man diese entweder in sein mitgebrachtes Behältnis oder, falls man dieses vergessen haben sollte, Achtung, in eine Plastiktüte gefüllt. Auf dem Rückweg von einem etwas abgelegenen Ort Bukobas, mache ich also einen Halt an er Milchsammelstelle, um meinem, alle zwei Tage stattfindenden, Ritual nachzukommen, und Milch zu kaufen. Wie du, lieber Leser, mich wahrscheinlich kennst, habe ich aber mein Behältnis für die Milch zuhause vergessen und diese also in einer Plastiktüte entgegengenommen. Nach dem kurzen Stopp, nehme ich die Milch zwischen die Beine und wir fahren weiter. Wie du weißt, lebe ich auf einem Berg und nicht direkt an einer Hauptstraße. Also muss man, um zu meinem Haus zu kommen, von der geteerten Straße auf einen Feldweg abfahren. Der Übergang von Teer- auf Feldstraße war aber bis vor kurzem noch sehr uneben und von herausstehenden Steinen und Löchern gezeichnet. Mein Pikipiki Fahrer fährt also frohen Mutes den Berg hinauf, ohne von dem schlechten Übergang zu wissen. Während ich die, mir bekannten anderen Pikipiki Fahrer grüße, die immer bei dem Übergang parken, passiert es. Der Fahrer ist zu schnell, das Pikipiki springt hoch, wackelt und ich falle fast hinten über. Schneller als ich gucken kann, sitze ich auf der Plastiktüte voller Milch. Der Rücken des Fahrers, der Sitz und ich sind voll mit Milch und die nebenstehenden Pikipiki Fahrer lachen lauthals auf. Ja. Lieber Fahrer. Asante.

So. Ich hoffe, dir hat gefallen, was du gelesen hast!

Melde dich bei mir, falls du irgendwelche Fragen oder Kommentare hast!

Ich freue mich von dir zu hören!

Bis bald und liebe Grüße aus Bukoba

Dein Paul

«Neuerer Eintrag | Älterer Eintrag»

 

 

Kommentare

  1. 1. norbert wege  |  30 Oktober 2017, 18:54

    Lieber Paul,
    ich freue mich, dass es dir gut geht.
    Danke, dass du mir die Mail gesendet hast jetzt kann ich von Zeit zu Zeit mal nachsehen wie es dir ergeht. Deine Eindrücke und die ersten Erfahrungen habe ich förmlich aufgesogen, die Bilder sind toll, kannst gerne mehr davon in den Blog hinein stellen.
    Alles Gute, wir denken an dich !!
    Liebe Grüße
    Die Wege's vom Cromerg

  2. 2. Matthias Ullrich  |  01 November 2017, 09:57

    Hallo Paul,
    sehr erfrischend Deine Berichte zu lesen. Die Geschichte mit der Milch und dem Pikipiki gefällt mir am besten. Ja, die Märkte in Bukoba sind fantastisch. Ich bin 2009 das letzte Mal durch sie geschlendert.
    Unsere nächste Partnerschaftsreise ist nun, weil Jörg Stähler eine andere Stelle angenommen hat und sie derzeit nicht organisieren kann, verschoben worden auf wahrscheinlich Januar 2019. Dann bist Du dann leider nicht mehr da.
    Ich wünsche Dir alles Gute, viele weitere gute Erfahrungen! Bleib behütet und gesegnet!
    Herzliche Grüße

    Matthias

  3. 3. Thomas  |  24 November 2017, 17:11

    Lieber Paul!

    Ganz herzliche Grüße senden dir die Gisselberger Haselhorsts und der eine Postkutscher
    Bleib gesund und schreib mal wieder etwas K
    B
    LG
    Thomas

  4. 4. Thomas Kutsch  |  24 November 2017, 17:13

    Lieber Paul!

    Ganz herzliche Grüße senden dir die Gisselberger Haselhorsts und der eine Postkutscher
    Bleib gesund und schreib mal wieder etwas K
    B
    LG
    Thomas

  5. 5. Lisa  |  10 Februar 2018, 16:36

    Lieber Paul,
    Ich bin Lisa und ich darf im Jahr 18/19 mit der VEM nach Tansania fahren. Dein Blog ist sehr interessant und hilft mir, mich auf mein FSJ vorzubereiten.

    Liebe grüße aus dem fernen Deutschland

    Deine Lisa

 

 

Kommentar Verfassen

 This is the ReCaptcha Plugin for Lifetype