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Berufung

Autor: Paul | Datum: 21 Dezember 2017, 10:19 | 1 Kommentare

So. Ein kurzer neuer Blogeintrag.

Den letzten Bericht (Rundbrief Nr. 1) habe ich vor knapp einem Monat geschrieben. Seit dem ist mal wieder einiges passiert.

Anfang November wurde ich vom Generalsekretär der Karagwe Diözese kurzfristig darum gebeten, für drei Wochen nach Nkwenda zu fahren. Nkwenda? Was? Wie? 3 Wochen? – Ja genau! Das habe ich auch gedacht.

Zuerst war ich etwas überrascht. Ich wusste weder wohin genau es geht, noch den genauen Grund. Dennoch, auch wenn ich für einige Wochen außer Gefecht war und mich bereits darauf gefreut hatte wieder im Tumaini arbeiten zu können, habe ich mich über die Chance gefreut, bin ich der Bitte nachgekommen und am nächsten Tag aufgebrochen.

Zu eurer Information, Nkwenda ist eine kleine „Stadt“ in der Karagwe Region, an der Grenze zu Ruanda und westlich von Bukoba. Sprich „in the middle of nowhere“. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ich fuhr genau an den Ort, an dem mein Dekanat, Gladenbach-Biedenkopf, mehrere Projekte mitfinanziert hat und den vor kurzem erst eine große Reisegruppe des Dekanats besucht hat. Eigentlich hätte ich da schon vorher drauf kommen müssen, aber naja.

Also machte ich mich morgens auf den Weg zum stendi (Busstand) von Bukoba, um ein Dala Dala (VW Busschen) nach Omurushaka zu nehmen. Omurushaka, das war mein Zwischenstopp auf meinem Weg nach Nkwenda. Nach 2 Stunden war das Dala Dala dann bis oben hin voll und der Fahrer stellte vor Abfahrt noch sicher, dass auf den 11 Plätzen auch wirklich 24 Leute Platz fanden. Nach einer angenehmen zwei-stündigen Fahrt auf Teerstraße, ging es für mich dann in einem anderen Dala Dala weiter nach Nkwenda. Nach Nkwenda gibt es bisher leider noch keine geteerte Straße, so dass die anderthalb-stündige Fahrt, bei durchschnittlich 60km/h und öfterem abruptem Bremsen, um doch noch den 24. oder 25. Fahrgast aufzunehmen, eher an eine Achterbahnfahrt, als eine Busfahrt erinnerte. Nichts desto trotz, wenn ich für 5 Stunden Busfahrt, und 150km Strecke 2,50€ für das Ticket bezahle, habe ich damit kein Problem.

In Nkwenda angekommen, wurde ich von Sister Florence im „Stadtzentrum“ abgeholt und wir fuhren zu meinem neuen zuhause. Der Compound, der für die nächsten 3 Wochen mein Zuhause werden sollte, besteht aus der protestantischen Kirche von Nkwenda, Pfarrhaus, einer Bibelschule, einer von den Sisters augebauten Grundschule, einer „Ausbildungsstätte für Sisters“ und diversen Schlafsälen und Wohnhäusern. Ich selbst sollte in Sister Florence‘ Haus untergebracht sein. Zur Person von Sister Florence: Sie selbst absolvierte vor einigen Jahren einen Freiwilligendienst in Deutschland, verfügt also über einige Deutschkenntnisse und kennt meine Heimat, also das Hinterland, durch die Kirchenpartnerschaft sehr gut. Wir konnten uns sogar über den besten Weg von Gladenbach nach Weidenhausen unterhalten und haben uns dann darauf geeinigt, dass der Schleichweg hinter Kehlnbach am schnellsten ist. Aber nicht nur Sister Florence kennt Deutschland gut. Nein! Auch der Bischof der Karagwe Diözese (und neben ihm auch der Bischof Bukobas) kann fließend deutsch. Er kennt sich noch besser über das Mittelhessische Straßen- und Kirchennetz aus, was zu einigen unerwarteten, netten Unterhaltungen führte. Zumal er schon des Öfteren in Kehlnbach Quartier bezogen hat.

Kurz nach meiner Ankunft, erfuhr ich den Grund für meinen Aufenthalt in Nkwenda. Ich sollte drei Sisters im Alter von 24, 25 und 27 in der deutschen Sprache unterrichten – ja genau, in der deutschen Sprache, ich. Nach einigem Schwitzen meiner seits, erfuhr ich aber gottseidank, dass sie bereits einen ein-monatigen Sprachkurs in Daressalam genossen hatten und ein bisschen deutsch konnten. Leider sind alle drei Sisters am Ende des Sprachkurses durch den A1 Test gefallen und planten einen Monat später nochmal am Test teilzunehmen. Nun fragst du dich, lieber Leser, bestimmt, wieso drei junge Sisters „in the middle of nowhere“ deutsch lernen möchten. Nun, alle drei haben die Chance, 2018 an einem Freiwilligenprogramm der Bethel-Stiftung teilzunehmen. Also ein Jahr Deutschland. Für die Teilnahme ist es allerdings Notwendig ein A1 Sprachzertifikat nachweisen zu können. Also war meine Aufgabe klar. 3 Wochen lang, konsequenter Deutschunterricht.

Wir begannen morgens um halb 9 und schlossen die Klasse nachmittags um 16 Uhr. Uns stand ein Klassenraum der Sisters Ausbildungsstätte mit Tafel und Tischen zur Verfügung und wir konnten uns an den Aufgaben und Übungen des A1 Tests entlang hangeln.

Mittlerweile bin ich wieder zurück in Bukoba und ich muss sagen, das Unterrichten und Arbeiten mit den drei Sisters hat mir wirklich Spaß gemacht. Vielleicht ist es ja doch meine Berufung, zu unterrichten. Während der drei Wochen habe auch ich viel gelernt. Das geht vom tansanischen Kochen, über das Leben auf dem Dorf bis zu dem Leben in enger Verbindung zu Gott. Das Beten vor und nach jedem Essen, nach dem Aufstehen und vor dem schlafen gehen und vor und nach dem Unterricht habe ich vorher nicht so intensiv gekannt und hat mich beeindruckt. Ich muss sagen, ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte, nach Nkwenda zu fahren. Die Sisters und ich sind in der Zeit eng zusammen gewachsen und ganz unerfolgreich waren wir nicht. Vor ein paar Tagen erfuhr ich, dass alle drei Sisters die Wiederholung des Tests in Daressalam bestanden haben.

Jetzt bin ich zurück in Bukoba, wohne wieder alleine und gehe dem alten Alltag nach. Ich arbeite im Office und mit den Kindern, koche täglich, backe Plätzchen mit den anderen Freiwilligen, mache Sport und warte auf den Wiederbeginn der Schule, denn alle Schulen haben bis zum 8. Januar geschlossen.

Viele Liebe Grüße aus Bukoba

P.S.: Es gibt neue Bilder  ;)

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Kommentare

  1. 1. sulin  |  19 April 2018, 08:08

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